Na, schon wieder die Nebenkostenabrechnung im Briefkasten gehabt und dich gefragt, ob da alles mit rechten Dingen zugeht? Keine Sorge, das geht vielen Mietern so! Eines der wichtigsten Dinge, die du bei deiner Abrechnung im Blick haben solltest, ist die 12-Monats-Frist. Klingt kompliziert? Ist es aber gar nicht! Ich erkläre dir, was es damit auf sich hat und was du tun kannst, wenn dein Vermieter diese Frist verpasst.
Was bedeutet die 12-Monats-Frist bei der Nebenkostenabrechnung?
Stell dir vor, du wohnst in deiner Wohnung und zahlst jeden Monat fleißig deine Miete und Nebenkosten-Vorauszahlungen. Nach Ablauf eines Abrechnungszeitraums (meistens ein Kalenderjahr) muss dein Vermieter dir eine Abrechnung zukommen lassen, die dir genau aufschlüsselt, wie viel du tatsächlich an Nebenkosten verbraucht hast und ob du etwas nachzahlen musst oder sogar Geld zurückbekommst.
Die 12-Monats-Frist ist dabei eine ganz wichtige Regel: Dein Vermieter hat genau zwölf Monate Zeit, nachdem der Abrechnungszeitraum abgelaufen ist, dir diese Abrechnung zuzuschicken. Geht der Abrechnungszeitraum beispielsweise vom 1. Januar bis zum 31. Dezember, muss die Abrechnung bis spätestens zum 31. Dezember des Folgejahres bei dir sein.
Merke dir: Es zählt nicht, wann der Vermieter die Abrechnung erstellt hat, sondern wann du sie tatsächlich erhalten hast!
Was passiert, wenn die Frist gerissen ist?
Jetzt wird's spannend! Was passiert, wenn dein Vermieter die 12-Monats-Frist verpasst? Die gute Nachricht für dich: In den meisten Fällen bedeutet das, dass dein Vermieter keine Nachforderungen mehr stellen kann! Das ist im Bürgerlichen Gesetzbuch (§ 556 Abs. 3 BGB) so festgelegt.
Das bedeutet, wenn die Abrechnung erst am 1. Januar des übernächsten Jahres (oder später) bei dir ankommt, kannst du die Nachzahlung getrost ignorieren. Dein Vermieter hat seinen Anspruch auf das Geld verwirkt.
Aber Achtung: Das gilt natürlich nur für Nachforderungen. Wenn sich aus der verspäteten Abrechnung ergibt, dass du Geld zurückbekommen müsstest, steht dir diese Rückzahlung weiterhin zu! Du hast also trotz der Fristüberschreitung Anspruch auf dein Guthaben.
Ausnahmen bestätigen die Regel: Wann die Frist doch keine Rolle spielt
Wie so oft im Leben gibt es auch hier Ausnahmen. Es gibt Fälle, in denen die verspätete Abrechnung für dich trotzdem relevant sein kann. Dein Vermieter hat nämlich trotz Fristüberschreitung das Recht, Nachforderungen zu stellen, wenn er die Verspätung nicht selbst verschuldet hat.
Das könnte zum Beispiel der Fall sein, wenn:
- •Der Vermieter selbst auf eine Abrechnung eines Dritten (z.B. des Energieversorgers) warten musste: Wenn der Energieversorger eine wichtige Abrechnung, die für die Erstellung deiner Nebenkostenabrechnung notwendig ist, erst sehr spät liefert, kann das die Fristüberschreitung entschuldigen.
- •Der Vermieter aufgrund unvorhergesehener Ereignisse (z.B. Krankheit, Naturkatastrophe) verhindert war: Hier muss der Vermieter allerdings nachweisen, dass diese Ereignisse tatsächlich die rechtzeitige Erstellung der Abrechnung unmöglich gemacht haben.
Wie du deine Rechte geltend machst: Tipps für dein Vorgehen
Okay, jetzt weißt du, was Sache ist. Aber was tust du konkret, wenn die Nebenkostenabrechnung zu spät kommt oder du den Eindruck hast, dass etwas nicht stimmt? Hier sind ein paar Tipps:
- 1.Ruhe bewahren und Abrechnung prüfen: Auch wenn die Frist abgelaufen ist oder du einen Verdacht hast, solltest du die Abrechnung erst einmal in Ruhe prüfen. Achte auf formale Fehler, unklare Positionen oder ungewöhnlich hohe Kosten.
- 2.Schriftliche Einrede: Wenn du eine Nachforderung erhältst, obwohl die Frist abgelaufen ist, oder du Fehler in der Abrechnung entdeckst, solltest du schriftlich Widerspruch einlegen. Das machst du am besten per Einschreiben mit Rückschein, damit du einen Nachweis hast.
- 3.Gründe für die Verspätung prüfen: Hat dein Vermieter die Verspätung begründet? Sind diese Gründe plausibel und nachvollziehbar? Wenn du Zweifel hast, fordere weitere Nachweise an.
- 4.Auskunftsrecht nutzen: Als Mieter hast du ein Recht darauf, die Originalbelege zur Nebenkostenabrechnung einzusehen. Nutze dieses Recht, um die einzelnen Positionen genauer zu überprüfen.
- 5.Fristen beachten: Für deinen Widerspruch gegen die Abrechnung hast du in der Regel zwölf Monate Zeit, nachdem du die Abrechnung erhalten hast. Versäume diese Frist nicht!
- 6.Rechtlichen Rat einholen: Wenn du dir unsicher bist oder dein Vermieter sich querstellt, solltest du dich an einen Mieterverein oder einen Anwalt für Mietrecht wenden. Die können dir helfen, deine Rechte durchzusetzen.
Die Sache mit den Vorauszahlungen
Ganz wichtig: Nur weil die Frist für die Abrechnung abgelaufen ist, heißt das nicht, dass du deine Nebenkosten-Vorauszahlungen einfach einstellen kannst! Du bist weiterhin verpflichtet, die vereinbarten Vorauszahlungen zu leisten. Sonst riskierst du eine Kündigung wegen Zahlungsverzugs.
Wenn dein Vermieter allerdings über längere Zeit keine Abrechnung erstellt, kannst du unter Umständen eine Anpassung der Vorauszahlungen fordern. Schließlich weißt du ja nicht, ob die aktuellen Vorauszahlungen noch angemessen sind.
Fazit: Kenne deine Rechte und bleib am Ball!
Die 12-Monats-Frist bei der Nebenkostenabrechnung ist ein wichtiges Instrument, um dich als Mieter vor unberechtigten Nachforderungen zu schützen. Aber wie du gesehen hast, gibt es auch Ausnahmen und Fallstricke. Wichtig ist, dass du deine Rechte kennst, die Abrechnung sorgfältig prüfst und dich bei Unklarheiten nicht scheust, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Mit ein bisschen Know-how und einem kritischen Blick behältst du den Überblick und sorgst dafür, dass bei deiner Nebenkostenabrechnung alles fair und korrekt abläuft! Und denk dran: Im Zweifel lieber einmal mehr nachfragen!
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