Mist, schon wieder Post vom Vermieter... Und was ist das? Die Nebenkostenabrechnung! Dein erster Gedanke ist wahrscheinlich: "Hoffentlich kriege ich was zurück!" Aber was, wenn die Abrechnung erst Monate später kommt als erwartet? Darfst du dann einfach alles ignorieren und dich zurücklehnen? Nicht ganz! Lass uns mal genauer hinschauen, welche Rechte du als Mieter hast, wenn die Nebenkostenabrechnung verspätet ins Haus flattert.
Die magische 12-Monats-Frist: Dein Schutzschild
Das Wichtigste zuerst: Dein Vermieter hat 12 Monate Zeit, um dir die Nebenkostenabrechnung für das vergangene Jahr zukommen zu lassen. Diese Frist beginnt mit dem Ende des Abrechnungszeitraums. Typischerweise ist das Kalenderjahr, also vom 1. Januar bis zum 31. Dezember. Kommt die Abrechnung später als am 31. Dezember des Folgejahres, ist sie in der Regel für dich unwirksam. Das bedeutet: Du musst eventuelle Nachforderungen nicht bezahlen!
Ausnahme von der Regel: Wenn der Vermieter unschuldig ist
Wie so oft gibt es aber auch Ausnahmen von dieser Regel. Wenn dein Vermieter die Verspätung nicht zu verantworten hat, kann er die Abrechnung auch später noch schicken und die Nachzahlung von dir verlangen. Das wäre zum Beispiel der Fall, wenn er auf eine Abrechnung eines externen Dienstleisters (z.B. für Heizkosten) warten muss und dieser sich extrem verspätet. Wichtig ist aber: Der Vermieter muss nachweisen können, dass er die Verspätung nicht verschuldet hat. Er muss also alles Zumutbare unternommen haben, um die Abrechnung fristgerecht zu erstellen.
BGH-Urteil: Der Bundesgerichtshof (BGH) hat in mehreren Urteilen (z.B. VIII ZR 249/15) klargestellt, dass der Vermieter die Verspätung zu vertreten hat, wenn er beispielsweise zu lange mit der Beauftragung eines Dienstleisters wartet.
Was passiert, wenn du eine Nachzahlung geleistet hast?
Angenommen, du hast die verspätete Nachforderung bezahlt, ohne zu wissen, dass du das nicht hättest tun müssen. Kein Problem! Du hast das Recht, das Geld zurückzufordern. Hier gilt: Du musst deinen Vermieter auffordern, dir das Geld zurückzuerstatten. Setze ihm dafür eine angemessene Frist (z.B. zwei Wochen).
Dein Guthaben: Da tickt die Uhr anders!
Gute Nachrichten: Wenn du ein Guthaben aus der Nebenkostenabrechnung hast, ändert die verspätete Abrechnung nichts an deinem Anspruch! Dein Vermieter ist verpflichtet, dir das Guthaben auszuzahlen, auch wenn die Abrechnung erst nach Ablauf der 12-Monats-Frist bei dir landet. Du hast in diesem Fall sogar einen Anspruch auf Verzugszinsen, wenn der Vermieter die Auszahlung verzögert.
Schadensersatz: Wenn die Verspätung dich wirklich trifft
In bestimmten Fällen kann dir sogar ein Anspruch auf Schadensersatz zustehen. Das ist dann der Fall, wenn dir durch die verspätete Abrechnung ein finanzieller Schaden entstanden ist. Das kann zum Beispiel sein, wenn du wegen der unerwarteten Nachzahlung einen teuren Dispokredit aufnehmen musstest. Allerdings ist es oft schwierig, einen solchen Schaden konkret nachzuweisen.
Was du tun kannst: Schritt für Schritt
- 1.Prüfe das Datum: Kontrolliere, wann der Abrechnungszeitraum geendet hat und wann du die Abrechnung erhalten hast.
- 2.Frist verpasst? Wenn die 12-Monats-Frist überschritten wurde, informiere deinen Vermieter schriftlich darüber, dass du die Nachforderung aufgrund der Verspätung nicht bezahlen wirst.
- 3.Ausnahme? Frage deinen Vermieter nach den Gründen für die Verspätung. Hat er triftige Gründe, die er nicht zu vertreten hat?
- 4.Nachzahlung geleistet? Fordere das Geld schriftlich zurück und setze eine Frist.
- 5.Guthaben? Fordere die Auszahlung deines Guthabens ein.
- 6.Schadensersatz? Wenn dir durch die Verspätung ein Schaden entstanden ist, dokumentiere alles sorgfältig und prüfe, ob du einen Schadensersatzanspruch geltend machen kannst.
- 7.Hilfe suchen: Wenn du unsicher bist, wende dich an den Mieterverein oder einen Anwalt für Mietrecht. Die können dir helfen, deine Rechte durchzusetzen.
Die Abrechnung prüfen: Nicht nur aufs Datum schauen!
Auch wenn die Abrechnung pünktlich kommt, solltest du sie natürlich genau prüfen! Sind alle Kosten nachvollziehbar? Entsprechen die Beträge den Angaben im Mietvertrag? Sind die Umlageschlüssel korrekt? Oftmals lohnt es sich, die Abrechnung genauer unter die Lupe zu nehmen und eventuelle Fehler zu beanstanden.
Tipps für den Alltag: So vermeidest du Ärger
- •Mietvertrag checken: Überprüfe, welche Kosten im Mietvertrag als Nebenkosten aufgeführt sind. Nur diese dürfen abgerechnet werden.
- •Zählerstände notieren: Notiere dir am Anfang und Ende des Abrechnungszeitraums die Zählerstände für Heizung, Wasser etc. Das hilft dir, die Abrechnung besser zu kontrollieren.
- •Belege einsehen: Du hast das Recht, die Originalbelege zur Nebenkostenabrechnung einzusehen. Mach davon Gebrauch!
- •Einspruch einlegen: Wenn du Fehler in der Abrechnung entdeckst, lege innerhalb von 12 Monaten nach Erhalt der Abrechnung Einspruch beim Vermieter ein.
Fazit: Kenne deine Rechte und handle!
Eine verspätete Nebenkostenabrechnung ist ärgerlich, aber kein Grund zur Panik. Wichtig ist, dass du deine Rechte kennst und weißt, wie du dich verhalten musst. Nutze die 12-Monats-Frist als dein Schutzschild und scheue dich nicht, deine Ansprüche geltend zu machen. Mit ein bisschen Aufmerksamkeit und Durchsetzungsvermögen kannst du dafür sorgen, dass du nicht zu viel bezahlst und dein Vermieter sich an die Regeln hält. Und denk dran: Im Zweifelsfall ist der Mieterverein oder ein Anwalt immer eine gute Anlaufstelle! Also, Augen auf bei der Nebenkostenabrechnung!
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